Leben zwischen zwei WeltenLeben zwischen zwei Welten

Leben zwischen zwei Welten

17
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05
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2026

MANCHMAL BEGINNT MIGRATION NICHT MT EINEM KOFFER, SONDERN MIT EINEM GEFÜHL.

Es ist dieses leise, kaum greifbare Gefühl, das sich in den Alltag schleicht. Die Gespräche der Erwachsenen werden länger, ihre Stimmen leiser. Türen werden geschlossen, wenn wichtige Dinge besprochen werden. Kinder spüren, dass etwas in Bewegung geraten ist, auch wenn niemand es direkt ausspricht.

Vielleicht ist es ein Blick aus dem Fenster auf eine vertraute Straße, der plötzlich schwerer wirkt als sonst. Vielleicht ein letzter Spaziergang durch den Park, ein Treffen mit Freundinnen und Freunden, bei dem niemand genau weiß, dass es ein Abschied sein könnte. Für viele junge Menschen ist Migration genau das: ein Abschied ohne klare Worte, ein langsames Loslassen von Orten und Menschen, die bis dahin selbstverständlich zum Leben gehörten.

Wenn dann die Reise beginnt, trägt man mehr mit sich als nur Gepäck. Man trägt Erinnerungen – an Stimmen, Gerüche, an die Küche der Großmutter, an Lachen auf Schulhöfen, an Wörter, die sich warm und vertraut anfühlen.

IM NEUEN LAND BEGINNT VIELES VON VORNE.

Die ersten Tage sind oft geprägt von Neugier, aber auch von Unsicherheit. Alles wirkt fremd: die Sprache, die Geräusche der Stadt, die Abläufe in der Schule. Wörter müssen erst gefunden werden, Sätze mühsam zusammengesetzt. Manchmal reicht der Wortschatz nur für ein Lächeln oder ein Nicken.

In solchen Momenten fühlen sich viele junge Menschen wie Beobachter ihres eigenen Lebens. Sie sind da – in der Klasse, auf dem Pausenhof, in den Straßen einer neuen Stadt – und doch scheint ein unsichtbarer Abstand zwischen ihnen und der Welt um sie herum zu bestehen.

DOCH GERADE IN DIESER STILLEN BEOBACHTUNG WÄCHST ETWAS.

Kinder und Jugendliche, die Migration erleben, entwickeln oft eine besondere Aufmerksamkeit für ihre Umgebung. Sie lernen zuzuhören, bevor sie sprechen. Sie beginnen, Gesten zu lesen, Stimmungen zu verstehen und sich Schritt für Schritt in einer neuen Realität zu orientieren.

Und während sie versuchen, in der neuen Welt ihren Platz zu finden, tragen sie ihre alte weiterhin in sich.

Sie lebt in Erinnerungen, in Geschichten, die zu Hause erzählt werden, in Liedern, die vielleicht nur noch leise gesungen werden. Herkunft verschwindet nicht – sie begleitet einen, formt einen, gibt Halt, auch wenn alles andere neu erscheint.

Zwischen diesen beiden Welten entsteht ein besonderer Raum: ein Raum der Suche, aber auch der Möglichkeiten.

Mit der Zeit entdecken viele junge Menschen, dass genau dieser Zwischenraum eine Stärke sein kann. Wer zwischen Kulturen aufwächst, lernt früh, verschiedene Perspektiven zu verstehen. Man wird sensibler für Unterschiede, aber auch für Gemeinsamkeiten. Grenzen, die für andere unüberwindbar erscheinen, wirken plötzlich überbrückbar.

VIELE WERDEN – OFT OHNE ES ZU PLANEN – ZU BRÜCKENBAUERN ZWISCHEN WELTEN.

Sie übersetzen nicht nur Worte, sondern auch Gefühle, Erwartungen und Erfahrungen. Sie verstehen, was es bedeutet, sich fremd zu fühlen – und wie wichtig es ist, jemandem das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Diese Erkenntnisse sind für mich nicht nur Teil meiner beruflichen Erfahrung, sondern auch Teil meiner eigenen Geschichte.

In mehr als zwanzig Jahren der Arbeit mit Flüchtlingen, Asylsuchenden und Migrantinnen und Migranten habe ich unzählige Lebenswege kennengelernt. Jede Geschichte ist anders, jede Reise einzigartig. Doch hinter all diesen Geschichten steht etwas Gemeinsames: der zutiefst menschliche Wunsch nach Sicherheit, nach Würde – und nach einem Ort, den man irgendwann ohne Zögern „Zuhause“ nennen kann.

Migration ist deshalb weit mehr als eine Bewegung über Grenzen hinweg.

Sie ist eine Reise des Herzens. Eine Reise durch Verlust, Hoffnung, Anpassung und Wachstum. Und für viele junge Menschen ist sie zugleich der Anfang einer Geschichte, die zeigt, wie viel Stärke im Neuanfang liegen kann.

Ahmad Maruf: "Mit meinen Büchern verbinde ich nicht nur meine persönliche Geschichte, sondern auch einen Herzenswunsch: Ich möchte im Herbst wieder nach Afghanistan reisen, um dort bedürftigen Menschen zu helfen. Besonders wichtig ist mir, ein Versprechen einzulösen, das ich auf meiner letzten Reise gegeben habe: den Bau eines Brunnens für eine Schule. Sauberes Trinkwasser ist für Kinder dort keine Selbstverständlichkeit, obwohl es eine wesentliche Voraussetzung für Gesundheit und Lernen ist.

Deshalb fließen die Einnahmen aus meinen Büchern vollständig in dieses Hilfsprojekt – nicht für persönlichen Gewinn, sondern um konkrete Hilfe und Zukunft zu ermöglichen."

Wer Interesse an meinem autobiografischen Roman oder an meinem Sachbuch über Afghanistan hat, kann sich gerne direkt bei mir melden. Die Bücher sind bei mir erhältlich unter Tel.Nr. +43 660 5528257 bzw. per E-Mail ahmad.maruf@tralalobe.at

Preis pro Buch: 15 €
Davon werden 5 € als Spende für den Bau des Brunnens für eine Schule in Afghanistan verwendet.

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Ahmad Maruf mit Sohn und Bürgermeister Michael Ludwig beim Empfang der neuen Wiener Staatsbürger:innen im Rathaus.

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