Tralalobe Haus Mödling: großartiger Lernerfolg durch individuelle Förderung!Tralalobe Haus Mödling: großartiger Lernerfolg durch individuelle Förderung!

Tralalobe Haus Mödling: großartiger Lernerfolg durch individuelle Förderung!

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2021

Das Tralalobe Haus in Mödling konnte mehr als ein halbes Jahr lang keine Jugendlichen neu aufnehmen. Der Alltag im Haus mit seinen rund 24 minderjährig Geflüchteten gestaltete sich durch Covid19 zum Jahreswechsel 2020/21 denkbar schwierig. Zu Vieles musste berücksichtigt werden, viele Einschränkungen machten das Leben kompliziert – besonders für die Jugendlichen.

Dann plötzlich im März benötigten 10 syrische Burschen dringend einen Platz im Haus. Doch so eine große Anzahl an Neuaufnahmen ist eine riesige Herausforderung. Nicht nur aus organisatorischen Gründen. Sondern auch deshalb, weil die Jungs erst Deutsch lernen müssen und es darum geht, möglichst schnell einen geeigneten Schulplatz zu finden. Und das in einer Zeit, wo kaum Alphabetisierungskurse angeboten werden. Was tun?

Und dann kam da die rettende Idee. Eine Lehrkraft sollte die zehn Burschen im  Tralalobe Haus Mödling unterrichten. Durch einen besonderen Glücksfall konnte eine engagierte und erfahrene Pädagogin gefunden werden. Dank eines Sonderpreises und der Kostenübernahme durch den Verein Springboard konnte schon Mitte April der vorerst 6-wöchige Kurs starten.

Hier der Bericht der Trainerin Daniela Fischer
(Legasthenie- und Dysklakulietrainerin, DAF/DAZ Trainerin, Elementarpädagogin)

Ich hatte eine so schöne und gleichzeitig sehr herausfordernde Zeit. Aber ich kann sagen, es war das Beste, was ich jemals machen durfte. Ich habe von den Burschen gelernt und sie von mir.

Zu Beginn war es wichtig, genaue Regeln zu vereinbaren und eine Struktur, einen Rhythmus zu finden. Die Kommunikation in Deutsch war fast nicht möglich, wir haben mit Händen und Füßen gearbeitet.

Anstatt mit einem Buch zu arbeiten, habe ich alle Kursunterlagen differenziert für die Burschen erstellt. Durch individuelle Unterlagen war es möglich, genau auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen einzugehen. In meinem Kurs gab es Burschen, die selbst in Arabisch nicht alphabetisiert waren.

Wir haben gemeinsam erarbeitet, wie man lernt, wie man eine Schere benutzt, wie man seine Unterlagen organisiert, was eine Hausübung ist und vieles mehr. Wichtig ist es, die Burschen dahingehend zu fördern, dass sie auf längere Sicht auch an einem Deutsch Kurs in Wien teilnehmen können und auch etwas davon mitnehmen können. Basisförderung war also das Wichtigste.

Wir begannen mit dem Thema „Angaben zu meiner Person“. Der erste große Entwicklungsschritt war nach zwei Wochen erkennbar, als die Burschen Vorstellungsplakate von sich selbst erstellt und diese der Gruppe präsentiert haben. Wir waren alle sehr stolz auf die Ergebnisse.

Auch einen kleinen Ausflug zur Corona Teststation haben wir zum Lernen genützt. Die Burschen sollten alle Ämter, Straßennamen und Geschäfte notieren, die wir auf dem Weg sahen. Wir haben alle Schilder gelesen und alles was wir gefunden haben, im Detail erörtert. Hier hatte ein Bursche ein großes Erfolgserlebnis: zum ersten Mal schaffte er es, ein Schild selbstständig zu lesen.

Wir haben intensiv an der Aussprache geübt und oft mündliche Dialoge geführt.

Wir hatten auch immer wieder kleine Tests, um die Burschen auf zukünftige Prüfungssituationen in den offiziellen Deutschkursen vorzubereiten.

Die Burschen haben begonnen, Deutsch zu sprechen und lernen sogar selbstständig am Nachmittag weiter. Sie sind unglaublich wissbegierig und bemühen sich, ihre Hausübung gut zu erledigen. Manchmal sagen sie: „Daniela ich will besser schreiben können oder Daniela wir müssen die Uhr lernen.“

Das Ziel ist es, die Burschen auf einen regulären Deutschkurs vorzubereiten, ihnen Lesen und Schreiben zu ermöglichen, Struktur und Regeln mitzugeben und sie zum selbständigen Lernen zu führen.

In nur sechs Wochen haben die Jugendlichen unfassbar viel vom erforderlichen Lehrinhalt aufgenommen.

  • Behandelte Themenfelder: Angaben zur eigenen Person, Essen und Trinken, Gesundheit, Familie
  • Hinführung der Teilnehmenden zu einer selbstgesteuerten und lernzentrierten Arbeitsweise
  • Kennenlernen der Buchstabenlautwerte, Umlernen vom Buchstabennamen zum Buchstabenlautwert auf Basis persönlich bedeutsamer Wörter und Sätze
    (z.B. Mein Name ist …)
  • Vermittlung mehrgliedriger Grapheme und Buchstabengruppen
  • Kenntnisse im Bereich lexikalische Kompetenz, semantische Kompetenz, phonologische Kompetenz, orthographische Kompetenz sowie Kenntnisse der Morphologie, Morphonologie und Syntax
  • Sprachliche Kompetenz erlangen, intensives Üben von Dialoggesprächen
  • Vermittlung erster grammatikalischer Strukturen und Begriffe, Fachbegriffe
  • Aufbau eines Sicht- und Schreibwortschatzes
  • Übungstypen kennenlernen: Zuordnungsaufgaben, Worträtsel, Wortsalat, etc.

Wenn es uns gelingt, diesen Unterricht noch sechs Wochen weiterzuführen, haben die Burschen gute Chancen, im Herbst bereits in einen regulären D-Kurs umzusteigen.

Für einen sechswöchigen Kurs für eine Gruppe von rund 10 Burschen benötigen wir insgesamt 1.200 Euro. Bitte unterstützen Sie die Lernwilligen durch eine Spende! Vielen Dank.

Unser besonderer Dank gilt den Verein Springboard für die Finanzierung des sechswöchigen Trainings sowie Trainerin und Pädagogin Daniela Fischer für die großartige Motivation und erfolgreiche Schulung der Jugendlichen!

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